Wie das Web2.0 gegen das Öl helfen könnte

Die Katastrophe von Deepwater Horizon verschmutzt den Golf von Mexico. In einer besseren Welt hätten wir das Web 2.0 genutzt, um die Betroffenen besser zu informieren und  Hilfsmaßnahmen effizienter zu organisieren. Alle der folgenden Werkzeuge lassen sich nach Anmeldung kostenlos einsetzen:

In einem Social Media Newsroom hätte man alle öffentlichen Artikel, Kommentare, Streams, Bilder und Videos zusammenfassen können. Eine zentrale Informationsquelle für alle Betroffenen und Interessierten. Toyota hat bei Problemen mit seinen Fahrzeugen ein vorbildliches Beispiel für einen Social Media Newsroom entwickelt.

In einer Community hätten sich die Betreiber der Ölplattform sowie öffentliche und gemeinnützige Organisationen mit den betroffenen Bürgern austauschen können. Die Webseite von BP und staatlichen Einrichtungen gibt dazu keine Gelegenheiten. Es wäre besser gewesen, die beteiligten Bürger in einer Community von Ning, Groups oder Spruz zusammen zu führen. Über die Plattformen hätten gezielt Newsletter versendet oder Umfragen durchgeführt werden können.

Mit einer Flickr Gruppe hätten Sachbearbeiter und Sachverständige ihre Arbeit dokumentieren können. Der Zugriff auf Ihre Ergebnisse wäre für Interessierte über Newsroom und Community sehr effektiv gewesen. Mit GPS-Informationen hätte man weitere Bilder im Umkreis einer Verunreinigung zuordnen können. Selbst Jahre später könnte man die Bilder noch auswählen, auf einer Webseite einfach integrieren oder sogar ein Fotobuch bestellen. Zwei Beispiele von existierenden Flickr Gruppen: EDF Louisiana Oil Spill Effects, National Wildlife Federation BP Oil Spill Coverage

Um Ihre Informationen besser darzustellen, hätten die Verantwortlichen und Sachverständigen gemeinsam Ablaufpläne und Infografiken erstellen können. Mit Gliffy wären Flowcharts, Analysen und die Darstellungen von Businessprozessen möglich gewesen. Mit Mindmeister hätten Krisenkräfte die Situation dezentral erfassen und Informationen strukturieren können.

In Linkedin, Facebook und Plaxo hätten Sachverständige ihre lokalen Zuständigkeiten im Profil aktualisieren können, um schneller gefunden zu werden. Betroffene hätten den Grad der Verschmutzung, den Bundesstaat und das County auf ihren Profilen in sozialen Netzwerken angegeben, um so für Sachbearbeiter sichtbar zu werden. Zudem hätte man so Bekannten und Freund aus entfernten Orten die Situation deutlich gemacht.

Mit dem Ushahidi-System zur Sammlung von Kriseninformationen wäre es möglich gewesen, die Arbeit der Helfer und Einsatzkräfte besser zu planen. Die Küsten müssten effektiv beobachtet werden, um neue Verunreinigungen zu melden. Hunderte von Aktivitäten müssen aufgenommen, koordiniert und aktualisiert werden. Durch Anbindung an Twitter, SMS und E-Mail stellt Ushahidi einen vielfältigen Zugang für Nachrichten zur Verfügung. Beim Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 hat Ushahidi seine Möglichkeiten eindrucksvoll bewiesen. Das System zeigt auf einer Karte nicht nur die Orte der dringendsten Not an. Die Karte hat auch gezeigt, wie schnell den Menschen in Haiti geholfen wurde. Mit der LA Bucket Brigade hat eine Aktionsgruppe ein Ushahidi eingesetzt, um Informationen über Verschmutzungen im Golf von Mexiko zu sammeln.

Um schneller an die gewünschten Informationen zu kommen, hätte man Online Formulare einsetzen können, die sich in Umfang und Inhalt anpassen. Formstack bietet Formulare an,  die übersichtlich sind und trotzdem alle notwendigen Informationen abfragen. Die gesammelten Daten kann man dann gleich noch Online anschauen, organisieren, sortieren und mit anderen Personen oder Programmen austauschen.

Diese ganzen Informationen hätte man dann nicht einfach ein einer Datenbank abgelegt. Da liegen sie zwar gut, doch in so einer Situation muss man damit arbeiten! Durch den Einsatz einer CRM-Anwendung hätte man die Kontaktdaten, Telefongespräche, Aktivitäten und ausstehenden Aktionen organisiert. Für Angestellte von BP, Sachbearbeiter, Sachverständige und Aktivisten wäre das bei Zoho oder freeCRM kostenlos möglich gewesen.

Die Anzahl der Betroffenen geht in die Tausende. Üblicherweise erzählen die Menschen die Wahrheit, doch natürlich gibt es auch hier Menschen, die sich wichtig machen oder einen Vorteil ergattern wollen. Durch den Einsatz der oben genannten Tools wäre es relativ einfach, diese Informationen zu überprüfen. Zusätzlich könne man mit Google Maps die geographische Lage prüfen. Mehr Sicherheit wären auch durch spezielle Personen-Suchmaschinen möglich, wie zum Beispiel US Search.

All diese Informationen sind nur die halbe Wahrheit. Sie befassen sich nur damit, die Katastrophe besser zu bewältigen. Doch die Menschen vor Ort sind betroffen und müssen mit der Situation klar kommen. Darüber will ich mehr erfahren. Deshalb wäre der Einsatz von Aufnahmegeräten sinnvoll, um Sitzungen und Veranstaltungen mit Vertretern von BP, staatlichen und gemeinnützigen Organisationen zu dokumentieren. Moderne Geräte wie die Kodak Playsport Zx3 Videocam oder der Zoom Q3 Audiorecorder erlauben Aufzeichnungen für weniger als 200 US Dollar. Mit wenigen Handgriffen sind Videos und Podcasts im Internet und damit für alle Verfügbar. Ohne dass man ein Freak oder IT-Spezialist ist. Nur so kann man zeigen, was vor Ort passiert. Und Lügen verhindern.

In einer besseren Welt hätte es das Unglück der Deep Horizont Ölplattform im Golf von Mexiko nicht gegeben. Wir hätten die Risiken wahrgenommen und die Welt nicht geopfert.

Bild: oil spill by Jaypeg21